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"Es herrscht eine gleichmäßige Wärme, welche die Seelenruhe fördert. Rabat, diese Stadt, der meine Liebe gehört, ist heute stumm."
Antoine de Saint-Exupéry, 1921, Briefe an seine Mutter

  Rabat - Hassan-Turm und Mausoleum Mohammed V.
Rabat

Rabat   -   الرباط

Rabat

Hauptstadt seit 1912
Verwaltungs- und Schulstadt
Residenz des Königs
1,4 Millionen Einwohner (Rabat und Salé, Volkszählung 2004)

Beidseits der Mündung des Bou Regreg, des Flusses mit dem poetischen Namen "Vater der Störche", liegen die zwei ehemaligen Piratennester und heutigen Schwesterstädte Rabat und Salé. Hauptstadt schon im 12. Jahrhundert unter der Dynastie der Almohaden, ist Rabat seit Beginn der französischen Protektoratszeit wieder Regierungssitz. Rabat gilt als die eleganteste unter den Königsstädten, und sie trägt ihren Beinamen, die Weiße, mit Ehre - eine saubere, gepflegte, geschäftige Stadt.

Rabat
Literaten in Rabat - Rabat in der Literatur

Viele der Schriftsteller, die in Fes, Marrakesch oder Tanger weilten oder Rundreisen durch Marokko unternahmen, mögen sich auch kurz in der ältesten der Königsstädte, aufgehalten haben.

Zu Beginn der Protektoratszeit kam es in Mode, auf der Durchreise Hubert Lyautey, dem Generalresidenten von 1912 bis 1925, die Aufwartung zu machen.
André Gide dinierte 1923 mit Marschall Lyautey in der Residenz, Gide war später noch in Rabat, jedenfalls 1943.
1925 wurde Hugo von Hofmannsthal ein Empfang mit nahezu militärischen Ehren zuteil. Lyautey drückte sein Bedauern aus über das Ende der k.u.k. Monarchie, betrachtete "die Zerstörung Österreichs als das bedauernswerteste Verbechen", und Hofmannsthal war überwältigt von der Grandezza und Zuvorkommenheit des französischen Machthabers. Lyautey war homosexuell, und an Hofmannsthals homophilen Neigungen besteht kein Zweifel, er pflegte zeitlebens eine Anzahl erotisch gefärbter Männerfreundschaften. In einem Brief an Carl J. Burckhardt bewunderte er die außerordentliche Grazie, mit der ihm Lyautey "seine jungen Herren" vorstellte. Gemeint waren dessen Offiziere  (Weinzierl).
Colette, im Frühjahr 1926 und im Frühjahr 1929 mit Maurice Goudeket, dem späteren Ehemann, auf Erholungsreise durch Marokko (Francis/Gontier, Dufour), betrauert in Prisons et paradis (19321) nach dem Abtreten von Lyautey die leere, verschlafene Residenz.

Das Jahr 1935 brachte Winston Churchill, 1938 Alec Waugh, außerdem Simone de Beauvoir mit Jean-Paul Sartre. Beauvoir war in jenem Sommer anscheinend wenig beeindruckt, denn in ihrer Autobiografie In den besten Jahren findet sich nur ein Satz zur Hauptstadt des Protektorats. Sie erinnert sich "vor allem an das Klappern der Störche auf den gezackten Türmen".

Es gab indes auch Autoren, die sich des Öfteren oder des Längeren in Rabat aufhielten, aus beruflichen Gründen etwa Antoine de Saint-Exupéry und Roland Barthes, während Jean Genet familiär-private Gründe nach Rabat führten.

Die zweite Hälfte des Jahres 1921 verbrachte Antoine de Saint-Exupéry in Casablanca, absolvierte Militärdienst in der Luftwaffe, wurde zum Piloten ausgebildet und besuchte häufig Rabat. Die Briefe an seine Mutter berichten.

Gerade als die Studentenproteste mit Verspätung auch auf Marokko übergriffen, hatte Roland Barthes eine Lehrverpflichtung am Institut für französische Literatur an der Geistes- und Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität Mohammed V. Im September 1969 trat er die Stelle an, die für drei Jahre vorgesehen war. Jedoch in Rabat herrschte das gleiche Klima, dem in Paris zu entgehen er den Posten angenommen hatte. Im akademischen Betrieb traf er auf Eifersüchteleien und Intrigen, die Studenten holten gerade den Mai '68 nach, seine Vorlesungen waren zu wenig links und wurden zwischendurch boykottiert. So erwies sich der Rabat-Aufenthalt als Misserfolg und endete mit einem Vertragsbruch, im Herbst 1970 kehrte er nicht mehr zurück.
Barthes stand eher am Rande der französischen Gemeinschaft in der marokkanischen Hauptstadt, und so widmete er die Freizeit intellektueller Tätigkeit und die Abende der Eroberung junger Männer. Er arbeitete an S/Z (19701) und legte letzte Hand an sein Japan-Buch Das Reich der Zeichen (19701) (Calvet, Lahjomri). Mehrere seiner Begebenheiten (19871) nahm Barthes in Rabat wahr.

Jean Genet war häufig in Rabat, als er in den achtziger Jahren in Larache wohnte und pflegte im Hotel Royal oder im Hotel d'Orsay abzusteigen. Hauptsächlich kam er, um Azzedine El-Qatrani zu besuchen, der hier zur Schule ging. Azzedine war nicht das Kind von Palästinensern, wie manche Genet-Biografen meinen und wie er selbst gegenüber Journalisten zu behaupten pflegte, sondern der 1979 geborene Sohn seines Freundes Mohammed El-Qatrani.
Azzedine war für Genet, der Kinder nicht mochte, eine Art Patenkind, er kümmerte sich um ihn, legte ein Bankkonto für ihn an, sorgte für seine Schulbildung und besuchte ihn jede Woche, wenn er in Marokko war. Er besaß also so etwas wie eine Familie in Marokko (White, Stewart/McGregor).
Im August 1985 unterbrach Genet die Arbeit an Ein verliebter Gefangener (19861) und schrieb in Rabat Haute surveillance, eine neue und endgültige Version von seinem 1947 erstmals erschienenen Theaterstück, dem Gefängnis-Einakter Unter Aufsicht. Während drei Wochen arbeitete er täglich mit einem Assistenten und dem Regisseur Michel Dumoulin, von neun Uhr bis Mittag und von fünf bis sieben Uhr. Er suchte lange nach dem richtigen Wort, retouchierte Details, um den Text dichter und musikalischer zu gestalten. Trotz Kehlkopfkrebs, der ihn seit 1979 beherrschte, rauchte er unzählige Zigaretten täglich (White).

  Rabat - Altstadt

 

 

 

 

Rabat - Avenue Mohammed V.

 

 

 

 

Rabat - Avenue Mohammed V.
Rabat

Links

www.rabat-maroc.net: Portail d'informations touristiques, culturelles et historiques sur Rabat
(reich bebildert, auch mit historischen Fotos)

Rabat
  Rabat - Oudaya - Cafe Maure